G&M-Spezial: Nebenwerte
2008 hat sich wieder einmal bestätigt, daß in einer Baisse fast alle Aktien abgestraft werden ebenso, wie in der Hausse fast alle Boote mit der Flut steigen. Gemessen am 52-Wochen-Hoch hatten die großen Goldproduzenten am 20. November im Schnitt 67% verloren, die mittelgroßen 74%, die kleinen 78% und diejenigen, die entweder noch nach Gold suchen oder erst dabei sind, ihre Lagerstätten zu entwickeln, im Schnitt 80%. Dabei hatten sich zum Stichtag des 20.11. zahlreiche Aktien bereits von ihrem Tief gelöst.
Klar ist, daß viele Edelmetall- und Rohstoffaktien auch jetzt noch deutlich unter ihrem Wert gehandelt werden. Die Kalkulation ist relativ einfach: Der Kurs einer Goldaktie sollte normalerweise die Liquidität, d.h. die vorhandenen Barmittel, sowie die Vermögenswerte, d.h. die Grundstücke und Anlagen reflektieren, außerdem die in der Zukunft erwarteten Gewinne. Zudem besitzen Goldaktien in normalen Zeiten eine Optionalität. Denn mit ihren nachgewiesenen oder auch nur geschätzten Goldressourcen stellen sie eine Option auf den Goldpreis dar. Wenn der Aktienkäufer die Barmittel oder die Grundstücke oder die Ressourcen sozusagen geschenkt bekommt, kann etwas nicht stimmen.
Eine einfache Methode besteht darin, die Liquidität, etwaige Schulden, die Marktkapitalisierung (Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Kurs) und die Ressourcen miteinander zu vergleichen. Vorausgesetzt, das Management ist kompetent und ernsthaft und die Ressourcen bzw. Reserven lassen sich später rentabel ausbeuten, wird die Aktie mit der Zeit zu einer angemessenen Bewertung zurückkehren. Wenn sich ein geplantes Bergwerk wirklich rechnet, wird es sich auch finanzieren lassen trotz der gegenwärtigen Kreditklemme. Für zweifelhafte Projekte sollten weder die Banken Kredite gewähren noch die Aktionäre frisches Kapital aufbringen was in der Vergangenheit leider allzu oft getan wurde. Es folgt eine (unvollständige) Auswahl interessanter Aktien mit sehr unter-schiedlichem Risikoprofil. Der angegebene Börsenwert bezieht sich auf den Schlußkurs vom 25. November, die anderen Angaben stammen aus den Quartalsberichten zum 30. September, soweit sie bei Redaktionsschluß vorlagen.
Anatolia Minerals (ANO.TO)
83,1 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 68,14 Mio.
Cash: US$ 86,3 Millionen
Grundstücke: US$ 59,8 Millionen
Schulden: US$ 69,3 Millionen (Wandelanleihe)
Ressourcen: 6,33 Millionen Unzen Gold
Bewertung: Mit der Cöpler-Mine in Anatolien baut die Firma derzeit das größte Goldbergwerk der Türkei. Finanziert wird mit einem Kredit der HypoVereinsbank. Die Produktion soll 2010 beginnen. Robustes Projekt, erhebliches Explorationspotential. Die Geologen des Earth Exploration Fund sind beeindruckt und bewerten die Aktie mit US$ 8 auf Basis eines langfristigen Goldpreises von $ 1000. Relative Stärke: Anatolia war noch 2007 gesucht, tendierte aber 2008 sehr schwach. WKN 913748.
Andina Minerals (ADM.V)
66,3 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 53,7 Mio.
Cash: US$ 22,3 Millionen (30. Juni)
Grundstücke: US$ 73,6 Millionen
Schulden: keine
Ressourcen: 7 Millionen Unzen Gold, geschätzt
Bewertung: Andina konzentriert sich auf fünf Projekte in Chile, vor allem auf das Volcan-Gold-projekt, 23 km entfernt von der zu Kinross gehörenden Maricunga-Mine. Goldgehalt relativ niedrig, Finanzierung völlig offen, daher sehr spekulativ. Relative Stärke: Im 4. Quartal 2007 überdurchschnittlich, danach abwärts. WKN A0J3S7.
Chesapeake (CKG.V)
38,2 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 114,6 Mio.
Cash: C$ 10,8 Millionen
Grundstücke C$ 85,5 Millionen
Schulden: keine
Ressourcen: 16,4 Millionen Unzen Gold (?)
Bewertung: Chesapeake wird von denselben Leuten geführt, die mit Francisco Gold überaus erfolgreich waren und dann an Goldcorp verkauften (Goldcorp ist mit 6,85% an CKG beteiligt). Hauptprojekt ist Metates in Mexiko. Die obige Ressourcenschätzung stammt aus einer 13 Jahre alten Studie von Cambior. Metates ist niedriggradig (weniger als 1Gramm je Tonne Erz), könnte jedoch wegen verschiedener Nebenprodukte sehr profitabel sein. Genaueres werden wir voraussichtlich erst in einem Jahr wissen. Bis dahin ist CKG ausreichend finanziert und benötigt keine neuen Mittel. Und bis dahin sind wahrscheinlich auch keine sensationellen Neuigkeiten zu erwarten, so daß die Aktie nur in schwachen Wochen gekauft werden sollte. Jedenfalls sind bei CKG echte Profis am Werk. Relative Stärke: Im 2-Jahres-Vergleich besser als z.B. bei Andina, Claude, Barrick oder Newmont. WKN 885725.
Colossus Minerals (CSI.TO)
42,3 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 27,9 Mio.
Cash: C$ 16,7 Millionen (31. Juli)
Schulden: keine
Ressourcen: Auf bis zu US$ 2 Milliarden geschätzt
Bewertung: Colossus kam erst im Februar 2008 zu C$ 1,25 an die Börse. Das Flagschiff ist Serra Pelada in Brasilien, eine Goldmine, die früher von Garimpeiros (illegalen Minenarbeitern) ausgebeutet wurde. Der grob geschätzte und mit Vorsicht zu genießende Wert von 2 Milliarden (außer Gold auch Silber und Platin) bezieht sich auf eine Studie aus dem Jahr 2002. Nachgewiesen sind die Ressourcen noch nicht, jedoch fallen die Bohrergebnisse bislang außergewöhnlich gut und hochgradig aus. Serra Pelada ist noch weit entfernt von einer produzierenden Mine und Colossus wird bis dahin noch viel Kapital benötigen. Das aktuelle Explorationsprogramm läuft bis Ende 2009, dann folgt eine Ressourcenschätzung und danach eine vorläufige Machbarkeitsstudie. WKN B2Q4HK8.
Claude Resources (CRJ.TO)
97,1 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 27,18 Mio.
Cash: C$ 13,2 Millionen
Grundstücke: C$ 88,7 Millionen
Schulden: keine
Ressourcen: offen
Bewertung: Claude produzierte im 3. Quartal 11962 Unzen Gold und machte einen Verlust von 2 Cents je Aktie. Von Interesse ist ausschließlich das Explorationspotential im kanadischen Red Lake-Distrikt, insbesondere das Madsen-Projekt, wo in der Fork-Zone hochgradiges Erz gefunden wurde. Derzeit läuft ein neues Bohrprogramm. Von 1938 bis zu ihrer Schließung 1976 förderte die Madsen-Mine 2,4 Millionen Unzen Gold. Relative Stärke: Unterdurchschnittlich. WKN 972876.
Kirkland Lake (KGI.TO)
55,7 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 209,9 Mio.
Cash: C$ 27,59 Millionen (31. Juli)
Vermögenswerte: C$ 88 Millionen
Schulden: keine
Ressourcen: offen
Bewertung: Noch geringe Goldproduktion mit geringen Verlusten, jedoch exzellente Bohrergebnisse,die in Unzen statt in Gramm angegeben werden. Dies ist keine gewöhnliche Explorationsaktie! Kirkland besitzt fünf aneinandergrenzende frühere Goldminen in Ontario, die zusammen 22 Millionen Unzen produziert haben. Die Chancen auf eine hochgradige, rentable Mine mit Reserven von schätzungsweise fünf Millionen Unzen sind gut. Positiv ist zu werten, daß die zu einer Mine gehörenden Anlagen bereits vorhanden sind, sodaß die Kapazitäten leicht und ohne große Kosten erweitert werden können. Der Chef von Kirkland, den wir zu einem längeren Gespräch getroffen haben, ist ein Bergmann alten Schlages und das Gegenteil eines „Promoters“. Die Banken ignorieren Kirkland weit-gehend, sagt er, weil er von ihnen kein Geld braucht. Die Exploration wird aus eigenen Mitteln finanziert. Wie üblich, ist der Nachweis der Reserven ein langer Prozeß, und die Aktie reagiert selbstverständlich auch auf das Auf und Ab der Goldpreise. Relative Stärke: Besser als z.B. Anatolia oder Linear. WKN 157217
Linear Gold (LRR.TO)
27,9 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 19,8 Mio.
Cash: C$ 23,9 Millionen
Grundstücke C$ 30,2 Millionen
Schulden: keine
Ressourcen: 1 Million Unzen, geschätzt
Bewertung: Die wichtigsten Projekte sind Campamento in Mexiko (darauf bezieht sich obige Ressourcenschätzung) und El Filaõ in Nordwest-Brasilien. Der renommierte amerikanische Vermögensverwalter Sun Valley hält 16,3% von Linear. Relative Stärke: Im 2-Jahres-Vergleich unterdurchschnittlich. WKN 789634.
Moly Mines (MOL.TO)
86,1 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 17,22 Mio.
Cash: A$ 45,7 Millionen
Grundstücke: A$ 115 Millionen
Bergwerksanlagen: A$ 72,3 Millionen
Schulden: A$ 91 Millionen
Ressourcen: Molybdän
Bewertung: Das Projekt nennt sich Spinifex Ridge, liegt in Australien und wird die größte Molybdän-Mine der Welt sein. (Das Metall wird für Stahllegierungen benötigt.) Die Investitionsgüter sind bereits bestellt, u.a. von Thyssen Krupp. Der Zusammenbruch des Aktienkurses erklärt sich aus der Befürchtung, Moly Mines könne finanziell die Luft ausgehen, bevor die Mine steht. Zusätzlich zu den oben aufgeführten Schulden konnte sich die Firma Ende September US$ 150 Millionen von einem amerikanischen Treuhänder leihen, die bereits am 31. Oktober 2009 fällig werden. Es wird also knapp, daher die lächerlich niedrige Bewertung. Ein anderes Risiko besteht in der Entwicklung des Molybdän-Preises. Dieser ist innerhalb von vier Wochen von $ 30 je Pfund auf $ 10 eingebrochen. Für 2009 wird ein Angebotsüberhang erwartet, 2010 könnten Angebot und Nachfrage wieder ausgeglichen sein. Wenn alles gut geht, ist das Kurspotential groß. Riskiert werden sollte aber nur ein kleiner Einsatz. WKN A0EAPA.
Rubicon Minerals (RMX.TO)
147,9 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 152,3 Mio.
Cash: C$ 5,5 Millionen
Grundstücke: C$ 79 Millionen
Schulden: keine
Ressourcen: offen
Bewertung: Flagschiff ist das Phoenix-Goldprojekt (96 000 ha) im berühmten Red Lake-Distrikt in Kanada. Hochgradige Bohrresultate, besonders in der F2-Zone, die im März 2008 entdeckt wurde. Rubicon ist eine reine Explorationsgesellschaft und noch weit entfernt von einer produzierenden Mine. Robert McEwen, der frühere Chef von Goldcorp, kontrolliert 31% der Aktien daher auch die relativ hohe Bewertung an der Börse. Der Kurs bleibt abhängig von den Bohrresultaten. Im November Privatplazierung in Höhe von C$ 10,2 Millionen, die zu den oben angeführten Barmitteln addiert werden müssen. Seit Jahren konstantes Chartbild. Relative Stärke: Überdurchschnittlich, im 2-Jahres-Vergleich besser als z.B. Kirkland. WKN 811961.
Sprott Resource (SCP.TO)
87 Millionen Aktien, Börsenwert C$ 176,6 Mio.
Cash: C$ 155 Millionen
Portfolio-Investments: C$ 270 Millionen
Schulden: keine
Bewertung: Sprott betreibt keine Minen, sondern investiert in Gesellschaften auf dem Rohstoffsektor. Im 3. Quartal wurden dank Sondereffekten 76 Cents je Aktie verdient. Im Vorstand sitzen so bekannte Leute wie Eric Sprott und John Embry vom kanadischen Sprott Asset Management. Das Unternehmen ist nicht nur unterbewertetet, sondern hat auch Geld genug, um in der jetzigen Marktlage billig zuzukaufen eigentlich eine ideale Kombination. SCP besitzt u.a. 12,96% von Tournigan Energy (TVC) mit einem Uranvorkommen in der Slowakei sowie 16,75% von High Desert Gold (HDG). WKN A0M10R, Valor 3388933.
Aus: G&M, Dezember 2008
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