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Der Anfang vom Ende des Euro?

Euro gegen Dollar: Welche ist die schlechtere Währung?







Der Anfang vom Ende des Euro?

Interview im Rohstoff-Spiegel Nr. 15/2010 mit Bruno Bandulet

Dr. Bruno Bandulet ist seit 1979 Herausgeber des auf Edelmetalle und Devisen spezialisierten Branchendienstes GOLD&MONEY INTELLIGENCE und Veranstalter der G&M-Seminare. 1995 gründete er den politischen Hintergrunddienst DeutschlandBrief, der seit 2009 als Kolumne im liberalen Monatsmagazin eigentümlich frei erscheint. Zahlreiche Buchveröffentlichungen. Zuletzt erschienen von ihm im Kopp Verlag „Das geheime Wissen der Goldanleger“ und – im Juli 2010 – „Die letzten Jahre des Euro – Ein Bericht über das Geld, das die Deutschen nicht wollten“ (geb., 208 Seiten, € 19,95, ISBN 978-3-942016-35-3).


Q: Kürzlich ist Ihr neues Buch zur Eurokrise, "Die letzten Jahre des Euro", erschienen. Sie zeigen dem Leser darin die Hintergründe, welche zur Entstehung des Euro führte und welche Mächte im Hintergrund an seiner Zerstörung arbeiten. Sie gehörten bereits vor der Einführung des Euros zu seinen schärfsten Kritikern. Was hat Sie von Anfang an am einheitlichen Währungsraum für Europa gestört?

A: Erstens, daß Deutschland mit der Eliminierung der D-Mark und der Entmachtung der Bundesbank sein wichtigstes Souveränitätsmerkmal geopfert hat, wobei ich hier unter Souveränität die Möglichkeit verstehe, eigene Interessen wahrnehmen zu können. Zweitens, daß eine monetäre Entscheidung aus rein politischen Gründen getroffen wurde – daß die Euro-Zone kein optimaler und homogener Währungsraum sein würde, stand ja von Anfang an fest. Und drittens bin ich Gegner jeder Machtkonzentration und damit für den Wettbewerb der Währungen auch in Europa. Denn Wettbewerb schafft Freiheit und diszipliniert die Notenbanken und Regierungen.

Q: Der Euro-Währungsraum stand in diesem Jahr massiv unter Beschuß, der Wechselkurs fiel in wenigen Monaten gegenüber dem US-Dollar um fast ein Viertel. Was führte Ihrer Meinung nach zu diesem massiven Einbruch? Waren es wirklich nur die gierigen Spekulanten?

A: Nein. Die Spekulanten, und damit meine ich die Hedge-Fonds und die Banken, haben noch nie eine fundamental gesunde Währung attackiert. Sie haben die Fehlkonstruktion Euro nur sichtbar gemacht. Ohne die Spekulanten wäre die Krise eben später gekommen.

Q: Die sogenannte "No-Bailout"-Klausel" und das Verbot der Staatsfinanzierung waren die zwei Bedingungen der Deutschen für den Euro-Beitritt. Nun wurden Beide in wenigen Tagen über Bord geworfen. War das Regelwerk gar nicht so streng wie man glaubte oder wurde hier Ihrer Meinung nach europäisches Recht gebrochen?

A: Das war ein eklatanter Rechtsbruch, der dann auch noch vom Deutschen Bundestag abgenickt wurde, als er dem Ermächtigungsgesetz zustimmte, ohne die Einzelheiten zu kennen. Aber so war es in der Geschichte schon immer: Großmächte und große Machtgebilde wie die EU brechen Verträge bedenkenlos, wenn sie es für opportun halten.

Q: Kürzlich wurde vor dem Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen den Rettungsschirm eingebracht. Glauben Sie, daß sich das BVG wirklich trauen würde dieses Gesetz als verfassungswidrig einzustufen? Was wäre die Konsequenz für den Euro und die Staatsanleihen der PIIGS für diesen Fall?

A: Das Bundesverfassungsgericht wird systemkonform entscheiden. Würde Karlsruhe wirklich den Rechtsbruch für verfassungswidrig erklären, dann wäre das das Ende der Währungsunion. Die Anleihen würden wir vielleicht bei 50% nominal sehen.

Q: Der Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler wurde von einigen Politikern in Verbindung mit dem "750-Mrd.-Euro-Rettungsschirm" gebracht. Was halten Sie von solchen Spekulationen? War das die einzige Möglichkeit des Protestes des höchsten Mannes im Staat?

A: Ich weiß nicht, ob diese Version stimmt. Köhler war immerhin in den 90er Jahren der Mann, der in der Bundesregierung maßgeblich an der Ausarbeitung der Währungsunion beteiligt war. Ein Euro-Skeptiker war er nie.

Q: Rechnen Sie persönlich mit einem Zusammenbruch des Euro in den nächsten Jahren? Wie würde dies passieren? Sehen Sie eher einen Austritt der starken oder schwachen Länder?

A: In der jetzigen Zusammensetzung wird die Währungsunion die nächsten Jahre nicht überleben. Schon 2011 dürfte es wieder kritisch werden. Daß Griechenland als erstes Mitglied austritt, ist zumindest vorstellbar. Unter den großen Ländern traue ich am ehesten den Italienern den Entschluß zu, auszutreten, aber das ist jetzt noch eine theoretische Überlegung. Wir kennen die Zukunft nicht. Wir können uns als Anleger nur auf plausible Szenarien einstellen, auf Warnsignale achten und das eigene Konto so wehrfähig machen, daß es auch einen Zusammenbruch des Euro überlebt. Wir müssen verstehen, wie die Gegenseite – das ist die politische Klasse – denkt und tickt. All das versuche ich in meinem Buch zu vermitteln.

Q: Gibt es Ihrer Meinung nach noch eine Möglichkeit den Euro zu retten?

A: Am einfachsten wäre der Euro zu retten, indem Deutschland austritt. Dann wertet die neue D-Mark wie in früheren Zeiten auf – und Südeuropa wäre wieder wettbewerbsfähig. Eine Lösung ist auch eine Aufspaltung der Währungsunion in einen Hart- und einen Weichwährungsblock.

Q: Sie sind bekanntlich nicht nur ein Euro-, sondern auch ein Goldexperte. Wie beurteilen Sie derzeit den Goldmarkt? Erwarten Sie nach der fulminanten Aufwärtsbewegung erst mal eine Verschnaufpause oder geht es direkt weiter nach oben?

A: Nach dem üblichen saisonalen Muster müßte der Goldpreis nach der Sommerpause wieder zulegen können. Für den konservativen Anleger ist Ihre Frage nicht so wichtig. Der Anleger braucht schließlich etwas im Depot, das nicht pleite gehen kann – ungeachtet der Preisschwankungen. Für ein Ende der langfristigen, seit 2001 laufenden Goldhausse sehe ich noch keine Anzeichen. Das schließt natürlich nicht aus, daß wir auch einmal ein Jahr sehen, in dem der Goldpreis in Euro oder Dollar mit einem Minus abschließt. Wichtig ist, daß die Anleger immer nur in Korrekturen kaufen. Ich habe Gold nie an der Spitze einer Rally empfohlen.

Q: Was treibt Ihrer Meinung nach die letzten Kursanstiege beim Gold? Gibt es tatsächlich einen fundamentalen Wandel bei Investoren oder ist Gold einfach nur ein modischer Trend bzw. sogar eine Blase?

A: Gold ist keine Mode, sondern Geld mit einer Erfolgsgeschichte von Tausenden von Jahren. Die Nachfrage nach Gold beruht auf der Erfahrung, daß es in der Vergangenheit einen ziemlich konstanten Tauschwert gehabt hat. Damit beziehe ich mich auf das Regressionstheorem von Ludwig von Mises. Richtig ist, daß die Investoren beginnen, die Geldfunktion des Goldes wieder zu entdecken. Noch in den 90er Jahren wurde Gold eher als Ware gehandelt. Damals dominierte der Schmuckmarkt. Von einer Blase würde ich erst sprechen, wenn Gold relativ zum Erdöl, zu den Industriemetallen, zu den Aktienindizes und nicht zuletzt zu den Schulden- und Geldmengen überteuert ist. Das ist noch nicht der Fall.









Euro gegen Dollar: Welche ist die schlechtere Währung?


Unsere Warnung „Vorsicht mit Dollar-Leerverkäufen“ im G&M vom 8. Dezember kam gerade noch rechtzeitig. Ab Anfang Dezember ging der Euro auf Talfahrt, erholte sich kurzfristig über den Jahreswechsel, brach dann aufs Neue ein und rutschte schließlich über die signifikante 200-Tage-Linie. Damit ist die mittelfristige Euro-Hausse bzw. Dollar-Baisse erst einmal zu Ende.

Bevor wir uns mit den möglichen Gründen für den abrupten Stimmungswechsel befassen, zu-nächst ein Blick auf die Interdependenz der Märkte, die sich nicht zuletzt daraus erklärt, daß die Welt nach wie vor unter dem Dollarstandard lebt und leidet – und daß Gold, nicht etwa der Euro, den eigentlichen Gegenpart des Dollars spielt. Für europäische Anleger, die sich gegen die Kunstwährung Euro absichern wollen, bleibt Gold die bessere Alternative als der ungedeckte US-Dollar. (Im Prinzip kommen auch die ölpreisabhängige Norwegische Krone, der rohstoff-preisabhängige Kanadische Dollar und der Schweizer Franken in Frage. Alle drei werden den Euro überleben, allerdings ist die Schweiz – umgeben von der Politwüste EU – in einer strategisch schwachen Position.)

Gold, Euro, Hang Seng – ein Vergleich

Wenn wir in das Jahr 2009 zurückblenden, fällt zunächst auf, daß sowohl der Euro als auch das Gold, nachdem sie den August über Kraft gesammelt hatten, von Anfang September bis Anfang Dezember gemeinsam in einer 5-Wellen-Bewegung nach oben gingen. Außerdem fällt auf, daß der Auftrieb des Euro bereits im November erlahmte und daß er anschließend mit größerem Gusto verkauft wurde als Gold. Dementsprechend gut hat sich der Goldpreis in Euro gehalten. Ähnlich war der Ablauf am chinesischen Aktienmarkt, wobei die Spitze allerdings schon auf den November fiel. Damals begann offenbar die Repatriierung von Dollars, die auf China gesetzt worden waren, in die USA. Der riesige Pool von Dollar-Spielgeld schwappt eben einmal an die Peripherie des Finanzsystems und dann wieder zurück in das marode Herzland des Kapitalismus. Ein aufmerksamer Beobachter hätte vom chinesischen Aktienmarkt, vom Hang Seng ebenso wie vom Shanghai-Index, Rückschlüsse auf den Dollar und damit indirekt auf Gold ziehen können. Vielleicht sogar auf die europäischen und auf die amerikanischen Aktienmärkte, die sich noch über den Jahreswechsel retten konnten. Die relative Schwäche des chinesischen Marktes war ein Frühwarnsignal.

Wie üblich, wurden die fundamentalen Erklärungen nachgeliefert. In diesem Fall waren es die im Januar verkündeten Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Begrenzung des Kreditwachstums sowie in der EU der katastrophale Zustand der griechischen Staatsfinanzen.

Die Bremsmanöver Chinas

Wie stabil oder labil China wirklich ist, durchschaut niemand im Westen. Selbst ein jahrelang in Peking stationierter Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes sagte uns, er wisse es auch nicht. Zweifelsohne hätte ein Crash im Reich der Mitte verheerende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Rohstoffmärkte. Der zurückliegende Preisanstieg von Öl, Kupfer, Palladium etc. erklärt sich aus einer Kombination von spekulativer Nachfrage und realen chinesischen Importen. Der chinesische Automarkt hat den amerikanischen, am Absatz gemessen, überholt, China und Deutschland liegen als Exportweltmeister in etwa gleich auf. Die Probleme Chinas sind unübersehbar: Überinvestment, Überkapazitäten, ein ungesundes Bankensystem, ein großes soziales Gefälle zwischen Stadt und Land und ein Kreditboom, der eine Preisinflation auszulösen droht. Andererseits ist die Sparquote hoch, ein Viertel der chinesischen Käufer von Wohnimmobilien zahlt bar (beides im Gegensatz zu den USA), und der Kapitalstock je Einwohner beträgt erst 5% des amerikanischen.

Fazit: Daß die Behörden in Peking die geldpolitischen Zügel anziehen und eine wirklich gefährliche Blasenbildung zu verhindern suchen, ist vernünftig und erhöht die Chance, daß ein Crash auf absehbare Zeit vermieden werden kann. Auch mit einem chinesischen Wirtschaftswachstum von 8 bis 10% werden die Rohstoffmärkte leben können. Es spricht also viel dafür, daß jetzt einige Wochen oder Monate lang, bis in das Frühjahr hinein, nach und nach Luft aus den Rohstoffmärkten abgelassen wird, daß sich jedoch der deflationäre Kollaps des Jahres 2008 nicht wiederholt. Für den Dollar und spiegelbildlich für Gold bedeutet das, daß sich dann die derzeit vorherrschende Stimmung wieder ändern dürfte. Dazu paßt das saisonale Muster, wonach der Dollar vorzugsweise im zweiten Halbjahr (ab Juni oder ab August) zur Schwäche neigt.

Geht Griechenland bankrott? Wohl kaum schon 2010

Bis dahin dürfte auch besser absehbar sein, wie es mit Griechenland weitergeht. Warum die EU und ihre Einheitswährung Fehlkonstruktionen darstellen, habe ich in drei Büchern zu erklären versucht. Unsere Schwesterpublikation DeutschlandBrief wurde ja gerade zu dem Zweck gegründet, gegen die Euro-Einführung zu argumentieren. Auf Dauer wird er in der jetzigen Zusammensetzung wohl keinen Bestand haben. Schon bei seiner Einführung wurden die Konvergenzkriterien mißachtet. Bei mehr als einem Teilnehmer lag das Haushaltsdefizit über 3%, hatte der Schuldenstand 60% des Bruttoinlandsproduktes überstiegen. Daß die griechischen Statistiken von Anfang an gefälscht waren, wußten die Insider. Es waren nicht die einzigen, die manipuliert wurden. Der Euro hatte von Anfang an etwas Betrügerisches an sich.

Vor dem Hintergrund einer Neuverschuldung von 12,7% BIP (nicht weit entfernt von der amerikanischen und britischen) war die Rendite zehnjähriger griechischer Staatsanleihen zuletzt auf über 6% geklettert. Falls dieser Anstieg nicht gestoppt werden kann – etwa zwischen 6 und 7% - droht ein circulus vitiosus. Dann muß Athen noch mehr Schulden machen, um die höheren Zinsen zahlen zu können. Vermutlich wird Griechenland am Ende bankrott gehen, aber wann?

Wohl kaum schon 2010. Noch werden die griechischen Bonds nachgefragt. Erst einmal wird die Regierung den Gürtel enger schnallen und die Ausgaben drastisch kürzen müssen, und später sind dann Kredite seitens der EU oder des IWF vorstellbar – auch wenn Art. 103 des EG-Vertrages eindeutig festlegt, daß die Mitgliedsstaaten untereinander nicht für Verbindlichkeiten haften. Einerseits sind die Griechen unverbesserliche Anarchisten, andererseits nicht dumm: kein Staat hält einen größeren Anteil seiner Devisenreserven in Gold, nämlich 90%. Das sind 112 Tonnen, die notfalls verpfändet werden können. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin.

Die Staatsfinanzen als nächstes großes Thema

Abgesehen davon: Würde es den Euro schwächen, wenn Griechenland oder andere Mitglieder des Club Med ausscheiden? Natürlich nicht, ganz im Gegenteil. Beschränkt auf den um Deutschland gruppierten Kern der alten EWG wäre der Euro eine bessere Währung. Er würde eher der alten D-Mark ähneln. Schädlich wäre es vielmehr, wenn sich Deutschland noch mehr als schon geschehen verschuldet, um ein Währungsgebilde zu retten, das ohnehin irgendwann auseinanderbrechen wird. Aktuell aber schafft die Griechenlandkrise jene Art von Unsicherheit, die die Finanzmärkte am wenigsten goutieren, und belastet damit den Euro.

Im übrigen ist die Überschuldung einzelner Staaten kein ausschließliches Euro-Problem. Großbritannien und Japan stehen nicht besser da als Griechenland, Irland, Italien, Spanien und Portugal. Allerdings mit dem Unterschied, daß die Euro-Länder ihre Hoheit über die Geldproduktion verloren haben – es sei denn, Griechenland druckt vertragswidrig, heimlich und in eigener Regie Euros. Kalifornien, eine ungleich größere Volkswirtschaft als Griechenland, steht ebenfalls am Rande des Bankrotts. Marc Faber sagte kürzlich dem in Zürich erscheinenden Tagesanzeiger, die USA würden wahrscheinlich in fünf bis zehn Jahren pleite gehen. Die Staatsschulden und ihre absehbare spätere Entwertung durch Inflation werden das nächste große Thema an den Finanzmärkten!

Was den Wert einer Währung bestimmt

Wodurch eigentlich bestimmt sich langfristig der Wert einer Währung? Durch die Geldpolitik, durch den Außenhandel, durch die Bilanz der Notenbank und auch durch deren Grad an Unabhängigkeit. Dabei schneidet der Euro trotz allem noch besser ab als der Dollar. Die amerikanische Handelsbilanz war in den vergangenen zwölf Monaten immer noch mit über 500 Milliarden Dollar im Minus, die der Euro-Zone – dank der deutschen Überschüsse – leicht im Plus. Die Bilanz der Federal Reserve wurde im Zuge der Finanzkrise massiver verlängert und verschlechtert als die der EZB, und letztere genießt immer noch mehr Unabhängigkeit von der Politik als das Federal Reserve System. Denkbar ist auch, daß die EZB die Zinsen früher heraufsetzen wird als die Fed, wenn auch nur moderat.

Das sind freilich langfristige Überlegungen. Kurz- bis mittelfristig ist der Euro auch technisch lädiert, seitdem er unter den 200-Tage-Durchschnitt gerutscht ist. Die Marktteilnehmer werden erst einmal sehen wollen, wo er sich stabilisiert.

(Aus G&M, Februar 2010)